Wegroute

9. Oktober 2008

Literatur und Musik sind die Dinge, mit denen ich mich am liebsten beschäftige. Aber mein Leben hat auch weniger strahlende Seiten, die zu jenem Licht den manchmal doch wohltuenden Schatten spenden.

Ich bin diplomierter Jurist mit Berufserfahrung im Staatsdienst und außerdem willens, mich als Zoon Politicon für das Gemeinwesen einzusetzen. Da mich unter den politischen Parteien keine so stark anzieht, daß ich ihr meine Kraft widmen würde, habe ich mich für das Tätigkeitsfeld der Berufsverbände entschieden.

Und das beinhaltet eben manchmal auch Reiseplanung.

Ich bin für heute Abend zu der Vorstandssitzung eines europäischen Dachverbandes eingeladen, als Fachmann für vereinsrechtliche Fragen. Morgen findet eine Informationsveranstaltung für die Teilnehmer der Mitgliederversammlung statt, bei der ich ebenfalls als Berater zugegen sein und mich außerdem den Delegierten vorstellen werde. Nachmittags wird nämlich in der Versammlung der Vorstand für die nächsten vier Jahre gewählt – und nach dem Willen der Präsidentin, die mich vor zwei Wochen deswegen anrief, soll ich eine Position im inneren Vorstand übernehmen.

Der scheidende Inhaber mag mich eventuell empfohlen haben, da wir in der Regionalgruppe des deutschen Verbandes hier an meinem Wohnort mehrere Jahre zusammen Seminare für die Kolleginnen und Kollegen organisiert haben. Allerdings bin ich unabhängig davon schon seit dem letzten Jahr auf europäischer Ebene (in einer unbedeutenden Funktion) präsent, und davor war ich in vielfältiger Weise an der Arbeit des deutschen Verbandes beteiligt.

Ein schöner, steil nordwärts gerichteter Reiseweg, wie ich finde…Hoffentlich geht morgen alles gut. Denn in dem Schauspiel, das da gegeben wird, gibt es neben der präsidialen Gönnerin, dem wohlwollenden alten Kameraden und dem strahlenden jungen Heldenbariton auch finstere Gestalten (ich überzeichne aus literarischen Gründen!), wie etwa den spitzstiftigen Vizepräsidenten und einen verunsicherten, allzu deutschen Wahlleiter, die beide die Satzungsbestimmungen fehlinterpretieren (das ist aus meiner Sicht vollkommen klar!), ihre Sicht der Dinge aber mit dem Brustton der Überzeugung verkünden und wohl daran festhalten wollen. Die beiden könnten mit ihren Nachfragen sowohl im Vorstand als auch in der Mitgliederversammlung für Verwirrung sorgen und meine Wahl verhindern, ist doch der Chor der Delegierten juristisch völlig unbeleckt. Das Ende ist offen, wir werden es morgen Abend kennen.

Nicht viel weniger abenteuerlich ist die An- und Abreise. Ich werde nach dem Mittagessen die S-Bahn Richtung Innenstadt besteigen, dort den Airport-Transferbus nehmen, nordwärts nach Skandinavien fliegen, vom dortigen Flughafen wieder per Bus in die Hauptstadt fahren und hoffentlich vom zentralen Busbahnhof abgeholt werden, um zu dem in einem Vorort gelegenen Hotel zu kommen. Morgen Abend geht der gesamte Weg dann retour, denn am Samstag bin ich in Potsdam und unterstütze meine Arbeitgeberin bei der Präsentation ihrer Gesangsgruppenkurse, von denen wir gestern sprachen.

So, das Essen ist fertig. Gleich muß ich weg von hier.

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