Vom Zweck einer Fachtagung

11. Oktober 2008

Warum steht man als erwachsener, geistig gesunder Mensch, gerade von einer anstrengenden Reise heimgekehrt, morgens um 5:00 Uhr auf und fährt gleich zur nächsten Veranstaltung quer durch Norddeutschland? Nun, dafür gibt es mehrere vernünftige Gründe.

Zum ersten ist ein Fachkongress natürlich eine Quelle des Wissens. Gerade als Student gibt es noch viel Inhaltliches zu lernen. Und die Tagung, die ich heute besucht habe, bot von allem etwas: ein wissenschaftlich fundiertes Konzept für die Unterrichtspraxis (das vor Ort auch gleich an uns Teilnehmern ausprobiert wurde – singen macht wach!), die Vorstellung einer statistischen Studie über Stimmentwicklung (Gold für jemanden, der u.a. auch in einem großen Kinderchor unterrichtet), einen Vortrag aus einem angrenzenden Fachgebiet (um die Interdisziplinarität zu garantieren und das eigene Fach im größeren Zusammenhang einzuordnen) und schließlich eine Präsentation aus dem unerschöpflichen Schatz der Weltmusik, der auch innerhalb des Faches den Horizont erweitert.

Vom konkreten Inhaltlichen abgesehen ist es für einen Studenten, der später einmal selbst Vorträge halten und Seminare leiten will, von großem Wert, Vorbilder in Augenschein zu nehmen. Wissenschaftliche Standards, die geeignete Sprache für mündliche Ausführungen, Details des Auftretens sind nicht wirklich aus Lehrbüchern zu lernen, dafür braucht man gute und schlechte Beispiele. Es ist nicht gut, ebenso schnell zu sprechen wie man als wissenschaftlicher Kopf denkt. Es ist nicht gut, mit den Teilnehmern zu reden, während ein Demonstrationsvideoclip mit Musik und Sprecherkommentaren läuft – denn in diesem Fall nehmen die Zuhörer weder die Informationen aus dem Film noch die Einwürfe des Vortragenden auf. Es ist in dem Falle, daß zwei Referenten gemeinsam auftreten, vorteilhaft, wenn sie ihre Kleidung und mehr noch die Übergänge zwischen den Einzelbeiträgen sorgfältig abgestimmt haben. Das alles mag banal klingen und auch häufig in irgendwelchen Ratgebern stehen – in diesen Punkten kommt es doch immer wieder zu Unzulänglichkeiten, weil die Wissenschaftler andere Dinge im Kopf bewegen…

Zum dritten ist es eine gute Sache, Kollegen zu treffen, Hände zu schütteln, E-Mail-Adressen auszutauschen. Nicht nur die Arbeit eines Berufsverbandes profitiert von Vernetzungen unter engagierten Mitgliedern und der Weitergabe von Veranstaltungsterminen und organisatorischer Erfahrung: Auch persönlich empfinde ich es als eine große Bereicherung, mit eben solchen Menschen in Kontakt zu treten, die a. den Beruf ergriffen haben, den ich gerade lerne, und b. zu derartigen Veranstaltungen kommen. Es sind nämlich oft überdurchschnittlich aktive, informierte und erlebnisoffene Zeitgenossen, deren Gespräche äußerst anregend wirken.

So ging ich denn abends mit einem neuen Bekannten und einer alten Freundin, die vor Ort lebt, lecker italienisch essen und hatte viel Spaß in dieser Runde. So wurde dieser Kongreßtag angenehm abgerundet.

So kann es weitergehen.

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