Fauler Sonntag

12. Oktober 2008

Nach dem Trubel der letzten Tage habe ich heute einmal wieder lange geschlafen, bis 10:00 Uhr Vormittags. Auch nach der Morgentoilette verspürte ich das Bedürfnis, die Dinge heute etwas ruhiger anzugehen, dementsprechend habe ich heute nicht viel geleistet. Die Reisekosten für den Schwedentrip abrechnen, meine Vortragsnotizen von der gestrigen Fachtagung ins Reine schreiben und wegheften, ein langes Telephonat mit einem befreundeten Gesangswissenschaftler, ein paar E-Mails an die Mitautoren meiner Lyrik-Anthologie – viel mehr war nicht drin.

Ach ja, das Schönste fehlt noch: die ersten Schritte auf dem Weg zu meinem Zweitbuch „Jugendblütenlese“. Es war ja schon die Rede davon. Nun habe ich wirklich die ersten Rahmenparameter festgelegt und die Gedichte selbst ins Layout eingefügt. Das ging relativ geschmeidig vonstatten. Die eigentliche Arbeit wird noch sein, die vielen einzelnen Bemerkungen zu den Texten in Kommentarartikel auszuschreiben. Dafür steht mir die nächste Woche zur Verfügung.

Während ich also meine Arbeit an diesem Buch aufnahm, fiel mir ein Pentaptychon ins Auge, das selbst einen passenden Kommentar zu dem Leben darstellt, das ich gerade führe. Sein Thema ist die Vergänglichkeit, und es hat mich einen Moment lang nachdenklich gemacht. Aber dann beruhigte ich mich darüber, daß ich meine Arbeitsleistung ja gar nicht für die Ewigkeit erbringe, sondern weil es mir gegenwärtig Freude macht. Nun, wie auch immer, hier ist es:

~

Strandbetrachtung

Ebbe ist’s, und eben liegt der Strand
Vor dem gesunden Auge da.
Tausend Tritte sind zu sehn im Sand,
Die vormals blind es übersah.

Deren zwei sich gänzlich gleichen
Nicht in Tiefe, Form noch Größe.
Jeder prägt den Grund, den weichen,
Sei’s im Laufen oder Schleichen,
Sei’s mit Schuhwerk oder Blöße.

Meine Stiefel stapfen auch durch’s Grau,
Da ich nun dieses schreibe auf.
Doch wozu geschieht’s? Ich weiß genau,
Bestehn wird nichts im Weltenlauf.

Das Geschriebne wird man streichen,
Es ist gleich, wie wahr ich’s wüßte.
Nichts kann Ewigkeit erreichen,
Denn das Leben wächst aus Leichen –
Wellen brechen an der Küste.

An den Ufern selber nagt die Flut,
Deckt alle Menschenspuren zu.
Keine Flucht gibt’s vor Gezeitenwut:
Bedeckt sind bald auch ich – und du.

~

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2 Responses to “Fauler Sonntag”

  1. NM Says:

    Und doch bleibt eine Spur zurück, in Gedanken, in der Flut selbst, die nie vergißt, daß es mal den Strand besuchteund jene traf, die nicht mehr sind …
    Erlaube mir diesen Kommentar.

    Sehr schönes Gedicht!

  2. sigerics Says:

    Die Flut hat kein Gedächtnis, fürchte ich, sie ist die anonyme und unpersönliche Kraft der Natur.

    Das Schöne und Erleichternde daran ist: Es ist gleichgültig. Wir müssen keine Spuren hinterlassen, niemand verlangt das. Wir gehen einfach spazieren…und dichten.

    Es freut mich, wenn Dir mein Gedicht eine kleine Freude gemacht hat.

    Herzliche Grüße,
    Sigmar

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