Wer nicht von dreitausend Jahren…

22. März 2009

Der Beruf des Gesangslehrers ist alt und ehrwürdig. Das wissen alle, die sich damit auskennen. Die meisten denken in diesem Zusammenhang aber zu kurz, nämlich nur wenige hundert Jahre, zurück in die Blütezeit des Belcanto, als die großen italienischen Gesangsmeister wie Nicola Porpora (1686-1768) wirkten. Wer die Geschichte der Gesangspädagogik intensiver studiert hat, weiß vielleicht noch von den Phonascern im alten Rom und die Unterscheidung des Quintilian (35-96) in den „Institutio oratorii“ zwischen dem Redner, der Ausdauer und große Stimmkraft benötige, und dem Sänger, dessen Stimme weich und sanft gemacht werden müsse.

Vor einigen Tagen war ich zum Abendessen bei einer bewundernswert gebildeten Gesangsprofessorin meiner Musikhochschule, die mich während unserer Konversation auf eine noch frühere Quelle zu unserem Beruf hinwies. Sie wurde vermutlich im 5. Jahrhundert vor Christus niedergeschrieben und berichtet aus dem Israel König Davids, der angeblich um 1000 v. Chr. regierte. Die Rede ist vom 1. Buch der Chronik, wo es in der Beschreibung des Triumphzuges der Bundeslade nach Jerusalem im 15. Kapitel heißt:

Und David befahl den Obersten der Leviten, daß sie ihre Brüder, die Sänger, bestellen sollten mit Saitenspielen, mit Psaltern, Harfen und hellen Zimbeln, daß sie laut sängen und mit Freuden. […] Kenanja aber, der Leviten Oberster, der Singmeister, unterwies sie im Singen; denn er verstand sich darauf. […] Und David hatte ein Obergewand aus feinem Leinen an, desgleichen alle Leviten, die die Lade trugen, und die Sänger und Kenanja, der Oberste beim Gesang der Sänger; […].

(V. 16, 22, 27)

Mag hier auch der Gesangslehrer funktionell noch nicht vom Chorleiter und Vorsänger getrennt sein, so hat Kenanja doch ohne Zweifel auch die Tätigkeit eines Stimmbildners ausgeübt. Die Gesangspädagogik kann folglich auf eine mindestens dreitausendjährige Geschichte zurückblicken. Man darf stolz darauf sein, diesem Berufsstand anzugehören!

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